Situation vor Ort



Rumänien und seine Menschen
Alle, die das rumänische Dorf Fofeldea schon einmal besuchten, staunen über die Schönheit, aber auch über die Einfachheit des täglichen Lebens. Pferdefuhrwerke, der Kleinbauer mit seiner Kuh, der krähende Hahn am Morgen, die Glucke mit den Kücken oder der Hirt mit seinen Schafen prägen das Bild des ländlichen Rumäniens.

Nur 25 km entfernt von Fofeldea befindet sich Sibiu oder zu Deutsch Hermannstadt, Europas Kulturhauptstadt 2007. Hier wurde mit Geldern aus der EU eine der schönsten mittelalterlichen Städte Osteuropas renoviert. Hier ist das moderne Rumänien mit Läden, in denen man alles kaufen kann, was das Herz begehrt, sofern das Geld dazu vorhanden ist.

In Fofeldea hingegen scheint es, als wäre die Zeit vor 50 Jahren stehen geblieben. Bei einem Rundgang durch das Dorf fällt einem auf, dass sich das Leben draussen abspielt, vor allem im Sommer. Alte Menschen sitzen vor den Häusern und Kinder spielen auf der Schotterstrasse. Was beim westlichen Besucher eine romantische Stimmung aufkommen lässt, ist für die Dorfbewohner harter Alltag. Die Not in den Dörfern Rumäniens ist zum Teil von aussen sichtbar. Je mehr man einen Einblick in die familiären Verhältnisse bekommt, umso extremer fällt einem die Rückständigkeit und Armut gegenüber dem westlichen Europa auf.

Einige Gründe für die materielle Not
Die Landwirtschaft wirft kaum genügend ab, um den Lebensunterhalt einer Familie zu sichern. Doch die eigentlichen Gründe für die Armut liegen tiefer. Die kommunistische Prägung steckt noch tief im Denken und Handeln der Menschen. Während des Kommunismus wurde den Bauern nur das allernötigste an Bildung zuteil, denn die Regierung brauchte vor allem billige Landarbeiter. Auch der Erfahrungshorizont der ländlichen Bewohner ist sehr beschränkt. Oft kennen sie nur ihr eigenes rückständiges Dorf. Bereits eine Reise nach dem nahen Sibiu ist für sie mit Kosten verbunden und wird darum selten unternommen. Ein Rumäne, der die Situation im eigenen Land reflektiert, sagt über seine Landsleute: „Der rumänische Mann will zu Essen und eine Frau, das genügt ihm.“ Natürlich kann das nicht verallgemeinert werden. Es gibt auch viele Rumänen, die gern vorankommen möchten, aber nicht wissen, wie sie das anstellen sollen.

Von aussen betrachtet mag der Besucher denken, dass die Rumänen wohl mit ihrer Lebensweise glücklich und zufrieden sind und gar nicht mehr wollen. Doch die Hoffnungs- und Perspektivenlosigkeit hat ihr Ventil, das sich z.B. darin zeigt, dass der Alkoholismus ein grosses Problem darstellt. Die Leidtragenden sind vor allem die Frauen und Kinder, die in der traditionellen rumänischen Familie kein Mitbestimmungsrecht haben. Die Frau hat auch keinen Einblick in die Finanzen des Haushalts. Der Mann allein hat das Sagen.